11 Januar 2011, De Morgen

11 Januar 2011, De Morgen

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Scala ist bereit für Amerika

DM Review – Der Aarschoter Mädchenchor steht vor dem wichtigsten Jahr seiner Existenz. Seit diese Mädchengruppe vor einigen Monaten in dem Trailer von The Social Network zu hören war, hat das Interesse an der Gruppe auch in den USA exponentiell zugenommen. Inzwischen haben Stijn und Steven Kolacny, das kreative Tandem hinter Scala, einen Plattenvertrag bei den großen Warner Brothers unterschrieben.
Demnächst folgt eine ganze Reihe amerikanischer Konzerte. Bevor es aber so weit ist, fing im Leuvener Stadttheater erst noch die neue belgische Gastspielreise an.

Obwohl Scala in den letzten Jahren überwiegend in Deutschland aufgetreten ist und hierzulande eher selten Im Radio gespielt wird, bleiben die Mädchen in eigenem Land äußerst populär. Für die Erstaufführung waren die Eintrittskarten in ein paar Minuten ausverkauft. Eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte, zu der dieses Jahr ein wichtiger Abschnitt hinzugeschrieben wird – auch wenn die Kolacnys selber dabei ganz ruhig bleiben und der Leuvener Event eher ein Familienfest als eine offizielle Premiere war.

Stijn Kolacny war ein paar Tage davor aufs Neue Vater geworden – das Publikum bekam auf der Videoleinwand ein Bild des taufrischen Söhnleins zu sehen – und die Kinder Stevens stiegen nach dem ihnen gewidmeten Song ‚Kleiner Mann’ einfach selbst auf die Bühne, um den Applaus entgegenzunehmen.

Rockklassiker

Die Stimmung war entspannt, und die Brüder machten sich wie immer übereinander lustig: „Die nächste Nummer wird ohne Steven gebracht – eine Erleichterung.“ Oder: „Jetzt kommt ‚Creep’, es darf einen wundern, dass es sich dabei nicht um Stijn handelt.“ Dennoch war deutlich, dass Scala schon wieder Fortschritte gemacht hat. Die Formgebung sah viel professioneller aus. Und wo die Mädchen früher manchmal während der ganzen Aufführung unbeweglich nebeneinanderstanden, war jetzt ein Drehbuch ausgearbeitet, wobei die Mädchen kreuzweise auf die Bühne stiegen und sich beim achtstimmig gesungenen ‚Evigheden’ sogar in den Saal begaben. Deswegen ist diese neue Gastspielreise ja bisher die lebhafteste. Aber auch was das Repertoire und den Aufbau betrifft überließen die Kolacnys wenig dem Zufall.

Der Akzent lag wie seit jeher auf bekannten Rockklassikern, die ganz entkleidet wurden, um sie nachher derartig wiederzukneten, sodass sie eine ganze andere Seite blicken ließen. In Händen von etwa dreißig Engelstimmen hörte sich der Song ‚The Beautiful People’ von Marilyn Manson noch befremdlicher an als das pechschwarze Original. Und auch ‚Hungriges Herz’ der deutschen Mia war der Originalversion nicht unterlegen. Bemerkenswert übrigens ist auch, dass die eigenen Kompositionen des Pianisten Steven Kolacny im Kontext des Scalakonzertes diesen Hits nicht unterlagen. ‚Seashell’’ und ‚Self-Fulfilling Prophecy’ – mit einen Schuss Elektronik geschmückt – waren ja Höhepunkte in einem viel moderneren Ganzen, als man normalerweise von einem Chor erwartet.

Das ist selbstverständlich der Grund, warum Scala dem großen Publikum so gefällt. Unterschwellig wirkt es ein bisschen selten, dass die Einheit in diesem Ganzen zweimal durch zwei sehr konventionelle Kompositionen des kanadischen Stephen Hatfield, der sich gefährlich dem Variété annähert, unterbrochen wird. Das waren ja die zwei einzigen Minuspunkte. Aber mit ‚Zwei Mädchen’ von Raymond und dem inzwischen unvermeidlichen ‚Ich liebe dich’ als Zugaben wurden diese Mängel gutgemacht... und Leuven ging – ‚ein Vorort von Aarschot’, blinzelten die Kolacnys – endgültig in die Knie. So sah die Erstaufführung aus wie aus dem Ei gepellt. Kurz gesagt: Amerika erobern? Scala war nie besser darauf vorbereitet.

Die meisten Scalakonzerte sind ausverkauft, aber für einige Aufführungen gibt es noch Eintrittskarten.