30. April 2010, Publicatie : DEStandaard
30. April 2010, Publicatie : DEStandaard
Geschrieben von: Peter Vantyghem Donnerstag, den 29. April 2010 um 18:00 Uhr
Jetzt oder nie für Scala
Das Konzert in Brügge wird für das amerikanische Fernsehen gespeichert.
Freitag, den 30. April 2010.
Autor: Peter Vantyghem
Eine Choreographie während „Black horse and the cherry tree“ schafft neue Möglichkeiten für Scala. Wouter Van Vooren
Wer eine Eintrittskarte für das Konzert vom Mädchenchor Scala im Brügger Konzertgebäude hatte, dem wurden einige Sekunden Ruhm im amerikanischen Fernsehen versprochen. Dafür wollte jedermann gerne lange applaudieren.
Jedes Konzert hat seine eigenen Rituale. Im Sportpalast muss man durch Sperrzäune hindurch und wird durchsucht. Im Theater „De Munt“ muss man passende Kleidung tragen. Im Brügger Konzertgebäude wird man am Eingang davor gewarnt, dass man durch das Betreten des Saales die weltweiten Abbildungsrechte freigibt.
Es ist ein wichtiger Abend für Scala, den Frauenchor aus Aarschot, der vor zehn Jahren mit Chorversionen von Rocksongs jeden beeindruckte und seitdem sich langsam aber sicher international deutlich bemerkbar machte.
Nach kommerziellen Abenteuern in Frankreich, Japan und Deutschland arbeitet Scala jetzt mit einem kanadischen Team zusammen, um eine Sendung für das amerikanische Nationalfernsehen PBS aufzuzeichnen. Das soll geschätzt werden: der einstündige Film wird in allen amerikanischen Staaten zu sehen sein. Die Anzahl der Zuschauer ist kaum einzuschätzen – etwa fünfzig Millionen wird behauptet – aber für den Chor ist es eine Sache von „jetzt oder nie“.
Einem Mann steht der Erfolg vorweg schon fest, aber das ist halt seine Aufgabe. Jo Declercq, jedem bekannt als „Jo met de Banjo“, ist der zuständige Applaudiermeister. Er verspricht einen „unvergesslichen Abend“, probt mit uns verschiedene Applaudierarten, verrät, dass neben den zehn festen Kameras auch viele „verborgene Handsets“ dabei sind, und beruhigt die Nerven, indem er verspricht, dass einfach aufs neue angefangen wird, wenn etwas schief gehen sollte.
„Das ist ja Fernsehen, liebe Leute!“
Die Nachricht ist gut eingetroffen. Schallender Applaus für Steven und Stijn Kolacny bei ihrem Eintritt – zeigen wir den Amerikanern mal, wie groß Scala hier ist! Steven, der ältere, trägt sein charakteristisches Rockoutfit. Stijn, der jüngere Bruder, sieht klassischer aus. Neunzehn Mädchen erscheinen, geschmackvoll herausgeputzt in allerhand Grautönen. Hier wurde keine halbe Arbeit gemacht.
Während „Every breath you take“ durch den Saal widerhallt, entfaltet der Dekor vom Regisseur Olivier Dufour seine Geheimnisse. Ein riesiger Vorhang badet den Chor in einer Schlafzimmersphäre: Filmbilder und eine subtile Beleuchtung streicheln die Frauen – mit jedem Song kommen mehr Frauen dazu – und während „Sea Shell“ sehen wir die Mädchen bei einem Unterwasserballett.
Scala ist Sauerstoff. Scala ist elementar. Die Bilder von Erde und Wasser und Wind werden den ganzen Abend unserem Unbewussten ein geheimnisvolles Spiel vorführen und niemanden in der Ungewissheit lassen, dass diese Musik, dieser Chor, diese Frauen uns säubern.
Eine ganze Reihe von Höhepunkten. Über einem gedehnten Seufzer „Evigheden“ von Michael Bojosen spaziert der Gesamtchor noch einmal den Saal hinein, wodurch Scala plötzlich zu sechzig Frauen (zwischen 18 und 33 Jahre alt) auf der Bühne steht. „It will never come back“ wird eine ruppige Rockbegleitung hinzugefügt, was dem Song gut tut. Und der Evergreen „California dreamin’“ glüht melancholisch in gedrückter Stimmung auf: wunderschön.
Und es gibt Gäste. Das ist ein Teil der PBS-Vereinbarung. Die britische Faryl Smith ist erst vierzehn Jahre alt, was niemand glauben kann. Sie erreichte das Finale von Britain’s got talent (Briten haben Talent) und wird für den weltweiten Ruhm eingepaukt. Sie singt Lieder von Dusty Springfield und Roberta Flack im Opernstil und klingt genauso majestätisch wie auch unpersönlich. Ihr Leben ist jetzt schon ein mehrjähriger Plan.
Die Regie hat für alles Lösungen gefunden. So soll der Chor andauernd bewegen und bei „Black horse and the cherry tree“ sogar eine stilvolle Choreographie bringen. Wenn noch vier Trommler hinzugefügt werden, wird deutlich: Dieser Song wird hängen bleiben – hier zeichnet sich für Scala ein Wendepunkt ab.
Wiederholt wird eine Pause eingelegt. Dann springt Banjo Jo auf die Bühne, um die gemütliche Stimmung aufzubewahren. Smith und ein kanadischer Sänger, Mark Masri, singen „Bridge over troubled water“: eine vorsichtige Wahl mit Scala in einer Tapetenrolle. „With or without you“ bietet da süße Rache: Der Chor bläst das Gelegenheitsduo davon.
Nach anderthalb Stunden ist es vorbei. Stehbeifall, strahlende Kolacny-Brüder. Jetzt der Empfang? Na... eigentlich ist es noch nicht vorüber. Wir sind erst auf der Hälfte. Banjo schlägt eine Pinkelpause vor und bittet das Publikum, möglichst schnell zurückzukommen.
Jetzt folgt eine lange Reihenfolge des Nationalismus. Sechs Lieder auf Niederländisch für die VRT. Drei Lieder von Pierre Rapsat für die RTBF. Sechs für das deutsche Fernsehen. Ein etwa albernes schwedisches Duett, das die Brüder Kolancy mit stählernem Gesicht ausführen – der Chor ist zweifelsohne professionell. Schnell noch mal „Nothing else matters“ wiederholen, denn es gab einen Tonfehler. Das Publikum ist erstaunlich, jauchzt nach der Nummer und wiederholt sogar noch einmal den Stehbeifall.
Die Kolacnys sehen beim Empfang erschöpft aus, aber sie befinden sich in einem Strudel. Das ist ihre Stunde. Im August ist Scala vielleicht hot in America. „Da muss einer nüchtern sein,“ so Steven Kolacny. „So eine Chance bekommen wir nie wieder, in keinem einzigen Land.“
Die Show können wir uns ansehen: Am 5. Juni in der RTBF und am 11. Juli auf Eén. De CD ‚Circle’ erscheint am 29. Mai. 2010 (belgische Version, Anm. des Webmasters)






